Qualität ist ein wichtiger Bestandteil von Nachhaltigkeit

Qualität ist ein wichtiger Bestandteil von Nachhaltigkeit

„Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusivität“, so definiert die Initiative „Neues Europäisches Bauhaus“ (NEB) die zentralen Aspekte des Bauens. Gebäude sollen zukünftig zugleich ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Projekte sein, so fordert es die EU-Kommission in der NEB[1].

Für die Baubranche bedeutet das nicht weniger als eine komplett neue Strategie und erfordert ein Umdenken. Aktuell spielen ökologische Aspekte in der Regel eine Nebenrolle; Preis und Zeit sind die treibenden Faktoren. Das führte zu einem zugespitzten Konflikt: Ressourcenverbrauchende Gewohnheiten und eine wachstumsorientierte Wirtschaft mit den negativen Klimaauswirkungen auf der einen Seite und das Grundbedürfnis, auch in Zukunft gut leben zu können auf der anderen[2].

 

Nachhaltigkeit in der Wirtschaft

Ursprünglich stammt der Begriff „Nachhaltigkeit“ tatsächlich aus der Forstwirtschaft. Der Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) beschrieb damit ein stabiles Gleichgewicht: In einem Wald sollten nur so viele Bäume abgeholzt werden, wie dort in absehbarer Zeit nachwachsen. Das Prinzip der Nachhaltigkeit stellt also sicher, dass ein regeneratives, natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften dauerhaft erhalten bleiben kann.

Das in der Forstwirtschaft angewandte Prinzip der Nachhaltigkeit gilt auch für alle anderen Wirtschaftszweige – das Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren oder künftig wieder bereitgestellt werden kann. Die World Commission on Environment and Development der Vereinten Nationen definierte im Jahr 1987 nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können“[3].

Langfristig führt also kein Weg an der Nachhaltigkeit vorbei, auch nicht in der Baubranche. Schließlich gehört das Bauwesen zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen überhaupt[4]. Die Zahlen sind ernüchternd: 40 % des Energie- und 16 % des Wasserverbrauchs entfallen auf den Bausektor. Er verbraucht 50 % der Ressourcen und verursacht 60 % der deutschlandweiten Abfälle. Rund 40 % des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen entsteht allein bei der Gebäudeherstellung und -nutzung[5].

Aufgrund schwindender Ressourcen, Umweltverschmutzung und Klimawandel stellt sich die Frage der nachhaltigen Entwicklung immer drängender. Wer hätte je gedacht, dass Sand einmal knapp werden könnte?

 

Wie kann da ein Umsteuern, die sogenannte Transformation, in der Baubranche gelingen?

Es geht nicht mehr um Schuldzuweisungen und das schlechte Gewissen. Nachhaltigkeit entwickelt sich zu einem positiven Lebensgefühl. Nachhaltigkeit boomt wie nie zuvor, kaum noch eine Werbung oder Produktbeschreibung kommt ohne einen der wohlklingenden Hinweise aus: Umweltfreundliche, faire, biologische, regionale oder saisonale Produkte füllen die Supermärkte und erreichen die Verbraucher. Ein immer größerer Teil unserer Gesellschaft und nun auch das NEB fordern nachdrücklich Nachhaltigkeit. Damit ist sie nicht mehr nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance. Für ein Bauunternehmen ergeben sich Fragen wie:

  • Wo steht mein Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit?
  • Wie lässt sich Nachhaltigkeit in meiner Branche umsetzen?
  • Wo besteht der größte Handlungsbedarf?
  • Kennen wir die damit verbundenen Chancen?

 

Kreislaufwirtschaft braucht Qualität

Es existiert bereits eine Vielzahl an Lösungsstrategien für die Baubranche, Nachhaltigkeit langfristig in die Prozesse einzubringen und Ressourcen effizient zu nutzen. Entscheidend ist eine ganzheitliche Betrachtung des Gebäudelebenszyklus (engl. „Life Cycle Thinking“), die von Beginn an alle Prozesse berücksichtigt, von der Planung über den Bau, den Betrieb bis hin zum Rückbau und Recycling.

So ein integrativer und ganzheitlicher Ansatz führt die bislang sektorale Branche zusammen. Dann kann eine Kreislaufwirtschaft gelingen, die den gesamten Lebenszyklus von Ressourcen und Baustoffen sowie die Ökobilanz vollständig berücksichtigt. Aber für die Etablierung eines klimaneutralen oder sogar emissionsnegativen Bauens ist es nicht nur notwendig, ressourcenschonende und nachwachsende Materialien einzusetzen und regenerativen Strom zu nutzen. Es bedarf einer konsequenten Effizienz und Qualität beim Bau und dem Betrieb der Gebäude.

Wenn die Qualität nicht gegeben ist, erfüllen Bauteile nicht ihre Funktion und es können Folgeschäden entstehen. Ist der reibungslose Betrieb einer Immobilie nicht mehr gewährleistet, ergeben sich mitunter erhebliche zusätzliche Kosten für Materialien und Instandhaltung. Qualität sorgt also dafür, Mängel von vornherein zu vermeiden – und sie nicht nur zu verwalten. Dadurch entstehen erst keine Fehler und unnötige Umweltbelastungen können vermieden werden.

 

Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG)

Der Bund fördert im Rahmen des BEG ab 1. Juli 2021 erstmals Nachhaltigkeitsaspekte durch eine eigene „NH-Klasse“. Der erforderliche Nachweis für die Förderung erfolgt über die Vergabe des gebäudebezogenen QNG.

Auch das Bundesministerium des Innern, Bau und für Heimat (BMI) definierte Nachhaltigkeit als die Ressourcenschonung durch einen optimierten Einsatz von Baumaterialien und Bauprodukten[6]. Die Dimensionen für nachhaltiges Bauen ergänzte das BMI um die technische Qualität sowie die Qualität der Planungs- und Bauprozesse:

„Auch im Baubereich wird der Qualitätsbegriff in Bezug auf Prozesse, Produkte und Gebäude verwendet. Angefangen bei der Planungs- und Ausführungsqualität sowie der Beachtung der aktuellen und künftigen Situation am Standort, der messbaren Leistung über die Lebensdauer bis zur Instandhaltung, der Pflege der Qualitäten.“[7]

 

 

Fazit: Keine Nachhaltigkeit ohne systematisches Qualitätskonzept

Nachhaltigkeit ist in der Baubranche ohne weiteres möglich. Dafür müssen die richtigen Stellschrauben gedreht, Prozesse und Aufgaben neu und effizient gedacht werden. Wir müssen Ressourcen in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft überführen. Alle Beteiligten benötigen ein systematisches Qualitätskonzept, das Mängel von vorneherein vermeidet und so Folgeschäden verhindert. Denn nur bestimmungsgemäß eingesetzte Bauteile, die bei Fertigung und Montage die gesetzten Qualitätsanforderungen erfüllen, sind für zirkuläres Bauen geeignet und können demontiert und wiederverwendet werden.

Nachhaltige Entwicklung ist kein vorübergehender Trend. Sie ist notwendig und wird alle Branchen verändern und bestimmen. Nachhaltigkeit ist ein strategisches, ganzheitliches Konzept und sie ist eine Einstellungssache! Klimaneutralität ist aber auch eine veritable Chance für die Baubranche. Unternehmen und ihre Bauprojekte werden sich kontinuierlich verbessern und weiterentwickeln. Und wer sich frühzeitig damit beschäftigt und sich darauf einlässt, für den ist das Neue Europäische Bauhaus eine Chance, den Umbruch mitzugestalten und nicht zuletzt ein konkreter Wettbewerbsvorteil.

 


[1]

europa.eu/new-european-bauhaus/about/about-initiative_en

[2]  Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI): Neues Europäisches Bauhaus. Positionen zum Beginn des Dialogs in Deutschland (2021)

[3]

www.un-documents.net/our-common-future.pdf

[4]

www.ressource-deutschland.de/themen/bauwesen/

[5]

www.forum-csr.net/News/15637/Ressourcenkreislaeufe-im-Bausektor-schliessen.html

[6]

www.nachhaltigesbauen.de/hintergrund/dimensionen-und-schutzziele-des-nachhaltigen-bauens

[7]

www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/QNG-BEG/Brosch%C3%BCre_QNG-Wohngeb%C3%A4ude_2021-12-01.pdf

                                                                                                                                             

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