Wann habe ich Qualität auf dem Bau

 

Was ist eigentlich Qualität?

Qualität bestimmt unser Leben in allen Ebenen und ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft.
Wir sprechen täglich über Qualität, jedoch hat jeder seine ganz eigene Definition.
Um sinnvoll über den Inhalt von Qualität sprechen zu können, bedarf es eines einheitlichen Verständnisses.
Qualität hat in unserem Sprachgebrauch immer eine Wertung. So hat ein Produkt oder eine Dienstleistung im besten Fall eine „gute oder ausgezeichnete Qualität“.

Aber was ist eigentlich Qualität?
In unserem wirtschaftlichen, technologischen Kontext definieren wir Qualität so:
Die Qualität gibt an, in welchem Maße ein Produkt den geforderten Anforderungen entspricht.
Wesentliche Faktoren sind hierbei vor allem die Funktionalität, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit – auf gut Deutsch: „hält das Produkt oder der Service ein, was es verspricht?“:

  • Erfüllt es seine versprochene Funktionalität?

  • Erfüllt es diese zuverlässig und ohne Ausfälle?

  • Ist es zu jedem vereinbarten Zeitpunkt voll verfügbar?

Auch in der Baubranche sprechen wir täglich über Qualität, aber leben wir sie auch in ihrem vollen Potential?

 

Qualität auf dem Bau – Zahlen, Daten, Fakten

Seit den ersten Qualitätskontrollen durch Ford und Taylor um 1900 hat  sich das Qualitätsmanagement zu einem der wichtigsten Management- und   Controllinginstrumente erfolgreicher Unternehmen entwickelt [1].  Dabei wurde die Baubranche jedoch von den anderen fertigenden  Industriezweigen weitestgehend abgehangen.
Der Hauptgrund dafür ist  der, in der Vergangenheit eher schwache, Innovationsdruck auf den  größtenteils regionalen Märkten. Besonders die steigende Komplexität  und die Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus haben dazu geführt, dass das Thema in den letzten zwei Jahrzehnten immer mehr Dynamik entwickelt hat. Die Auftraggeber stellen höhere Ansprüche, die immer seltener befriedigt werden können. 

Ein Indiz für die Unzufriedenheit bezüglich der Qualität stellen die  Schadensersatzforderungen gegen Architekten und Ingenieure dar,  welche zwischen 1991 und 2001 um 1248 Prozent gestiegen sind [2].

Ein  ähnliches Ergebnis erzielte die TU Dresden in einer Studie zu  Handwerkerleistungen. Demnach kritisierten 49% der Bauherren sowohl den Umfang als auch die schleppende Beseitigung von Baumängeln [3].

Ein weiterer Beleg für die Inaktivität der Baubranche im Bereich der  Qualitätsverbesserung in den letzten Jahrzehnten ist aus den konstant  hohen Fehlerzahlen und Fehlerkosten zu erkennen. So ist eine über  drei Jahre und sieben Projekte, mit einem Auftragswert zwischen 2  Mio. € und 15 Mio. €, angelegte schwedische Studie zu einem  durchschnittlichen Fehlerkostenanteil am Umsatz von 5,3% gekommen [4]. In dem untersuchten Unternehmen kamen keine qualitätssichernden Maßnahmen zum Einsatz. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass ein qualitätssicherndes System bei einer pareto-effizienten Optimierung  ein   Einsparpotential von 3,18 % des Unternehmensumsatzes hat. Zusätzlich wäre ein Vertrauenszuwachs der Kunden und somit ein Imagegewinn zu erwarten. Dieses Potential rechtfertigt auch größere  Aufwendungen zur Entwicklung eines solches Systems.

Auch   aus   volkswirtschaftlicher   Perspektive   wäre eine breite  Einführung qualitätssichernder Systeme erstrebenswert. In Zeiten der Globalisierung und zunehmender Ressourcenknappheit sind es eben solche, auf Wissen basierende Produktivitätssteigerungen, die den Wirtschaftsstandort stärken.

 

Ist es Zeit, ein neues Qualitätskonzept in der Baubranche zu definieren?

Wir sagen definitiv „ja“! Unser Ziel ist es, ein neues Qualitätskonzept zu definieren und zu einem festen Bestandteil der Baubranche werden zu lassen. Hier sollten wir uns an anderen Branchen orientieren, die Qualitätskonzepte seit Jahrzehnten erfolgreich in ihre Prozesse implementiert haben. Nur auf das Verwalten der Mängel zu fokussieren ist zu wenig und wird auch langfristig nicht tragbar sein.

 

Quellenangaben [1-4]: Auszug aus der Masterarbeit "Systematische Qualitätssicherung bei Neubauprojekten nach dem Minimalprinzip” von Josef Kox (2013).

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